Wenn man als Austauschschüler nach Måløy kommt, sieht man zuerst die malerische Natur und die vielen Fischerboote. Aber hinter den Fassaden der Hafenstadt versteckt sich echte High-Tech: Wir haben Selstad besucht, das Unternehmen, das uns zeigt, wie man von einem kleinen Ort aus die Weltmeere schützen kann.
Die riesigen Hallen direkt am Fjord sind uns während des Austauschs schnell aufgefallen. Aber dass hier die Zukunft der Fischerei mitentschieden wird, hätten wir nicht gedacht. Gegründet wurde Selstad 1953 als kleiner Familienbetrieb genau hier in Måløy. Heute ist daraus ein Global Player mit über 500 Mitarbeitern weltweit geworden.
Der Fokus: Seile, die das Meer schonen
In der Fabrik ist es laut. Alles dreht sich um das wohl wichtigste Werkzeug der Schifffahrt: das Seil. Doch herkömmliche Kunststoffseile sind ein Problem für die Umwelt, vor allem wegen des Mikroplastikabriebs.
Margarita Kryva, Nachhaltigkeitschefin bei Selstad, brachte es bei unserem Besuch auf den Punkt:
„Ein gutes Produkt muss heute ein nachhaltiges Produkt sein.“
Mit dem Projekt „Ropes to Ropes“ geht Selstad neue Wege: Alte Seile werden nicht einfach entsorgt, sondern zu einem speziellen Kunststoffgranulat verarbeitet. Aus diesem Recycling-Rohstoff entstehen neue Hochleistungsseile, die eine entscheidende Besonderheit haben: Ihre Struktur ist so verbessert, dass sie im Einsatz deutlich weniger Mikroplastik abgeben. Ein riesiger Gewinn für den Ozean, der direkt hier in der Fabrik beginnt – die übrigens zu 100 % mit Ökostrom läuft.
Strategie mit System: Die SDG-Pyramide
Was uns besonders beeindruckt hat: Nachhaltigkeit ist hier kein Zufall, sondern hat System. Selstad orientiert sich strikt an den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs). In der Zentrale wurde uns das Prinzip erklärt: Die Umweltziele (Klimaschutz und Leben unter Wasser) bilden das Fundament. Darauf bauen soziale Aspekte wie Arbeitssicherheit auf, und die Wirtschaft bildet die Spitze. Die Philosophie dahinter ist simpel, aber logisch: Ein gesundes Meer ist die Grundvoraussetzung für ein gesundes Geschäft. Die Natur wird hier nicht bloß als Ressource gesehen, sondern als Lebensgrundlage für die gesamte Gesellschaft.
Unser Fazit
Während des Besuchs fiel mir auf, dass der Umweltschutz nicht gerade dort stattfindet, wo ich es erwartet hätte. Nicht in den Büros der großen Metropolen, sondern zwischen schweren Maschinen und riesigen Seilrollen direkt am Fjord.
Wir nehmen die Erkenntnis mit, dass man auch an kleinen Orten wie Måløy große Probleme lösen kann, wenn die Technik und die Einstellung stimmen. Selstad ist das perfekte Beispiel dafür, wie aus lokaler Industrie globale Lösungen entstehen können.